Rückblick: Europa. Fit für die Zukunft?


Die Zukunftsdebatte für Europa ist eng mit Bildung und Wissen verbunden, sind sie doch jene entscheidenden Ressourcen, die den europäischen Geist neu beleben und die Zukunft gestalten können. 
 
Zu dieser Thematik und den damit verbunden europäischen Herausforderungen diskutierten in gemütlicher Atmosphäre, auf Einladung von European Dialogue, Bildungsexpertin Mag. Beate Meinl-Reisinger, MES, und die ehem. Vizebürgermeisterin der Stadt Graz, Dr. Martina Schröck, unter Einbindung des Publikums, im klassizistischen gemütlichen Ambiente des Café Promenade, in Graz. Der Abend des 21. November 2019 war nicht zuletzt auch von aktuellen europäischen Ereignissen geprägt, darunter der lähmend hinausgezogene Antritt der neuen Europäischen Kommission unter Ursula von der Leyen, ihren Herausforderungen und „geerbten“ Krisen. Bezugnehmend darauf müsse, so Meinl-Reisinger, Europa liefern, das tue es nicht, daher bestehe hier ein dringender Aufholbedarf! Sie trete für einen freien, fairen Wettbewerb ein, aber nicht für „Machtkonzentrationen, die es zunehmend im Bereich Digitalisierung, Innovationen, Technologien, allen voran durch die USA und China, gäbe.

Genau hier sind Bildung und Innovation entscheidende und zugleich wertvolle Beiträge, um die europäische Identität zu stärken und Grenzen zu überwinden. Als ehemalige Kommunalpolitikerin betonte Schröck die Bedeutung der Kommunen und die Notwendigkeit ihrer stärkeren Einbeziehung in das europäische Projekt. So müssen Städtepartnerschaften und die Mobilität verbessert, ja ausgebaut, werden. Ein Europa der Zukunft und des Wissens hänge eng mit einer funktionierenden Sozialpolitik zusammen. Dies sei, laut Schröck, derzeit nicht der Fall. Für die Erhaltung der sozialen Standards, zum Beispiel faire Entlohnung sowie deren Wertschätzung, benötige es den Einsatz aller europäischen Kräfte.

 


„Was Europa am stärksten zusammenhält, werden immer die Kultur und das Wissen sein“, so Präsident Emmanuel Macron. Bezugnehmend auf seine Forderung „Eine Uni für Europa“ nahm der Verlauf des Abends einen spannenden, dialogreichen Verlauf. Insbesondere das Publikum, generationsübergreifend verbunden, schaffte es hier durch interessante Inputs den Dialog zu entfachen. Für Julian Lamplmayr, Generalsekretär von European Dialogue, sei die Bildungspolitik bzw. diesbezüglich notwendige Reformen in Österreich zu lange hinausgezögert und auch blockiert worden. Sein Bezug zu Frankreich schaffte hier einen grenzübergreifenden europäischen Bezug. Meinl-Reisinger begrüßte Macrons Idee, sehe derzeit aber keine Chance zur Umsetzung. Es scheitere an den Gestaltungmöglichkeiten und Mehrheiten in den nationalen Regierungen. Die Innovations- und Bildungsthematik sind bekanntlich eine breitgefächerte, nicht zuletzt bewies dies die Debatte der möglichen Innovation im Bereich Europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Österreich sei in einer bequemen Situation gewesen -- zu sagen, wir seien neutral und die benachbarten NATO-Staaten würden sich darum "kümmern", sei zu wenig. Man hat sich hier nicht die Hände schmutzig gemacht. Auf den Einwand Andreas J. Schröcks, ob die NATO, wie Macron kürzlich erwähnte, „hirntod“ wäre, entgegnete Meinl mit einer Gegenfrage: „Was ist mit unserem transatlantischen Partner?“ Die Frage der Verlässlichkeit sei nicht mehr selbstverständlich, was die Situation in Syrien zeige. Europa würde hier die daraus resultierenden Probleme ernten. Ein entscheidender Fehler!

Andreas J. Schröck, Vorsitzender von European Dialogue, hob den geopolitischen Aspekt Europas hervor und die Notwendigkeit diesen, auch unter Berücksichtigung der Bildungs- und Innovationsdebatte, in den Mittelpunkt zu stellen. Europa brauche Mut und Entschlossenheit sich seiner Stärken und gemeinsamen Identität zu besinnen. Nicht zuletzt hätte Macron für seine „Initiative für Europa“ als Ort eine Universität gewählt. Immerhin ist diese neben der katholischen Kirche die älteste europäische Institution. Das Erfolgsmodell „Made in Europe“, eine europäische Erfindung, so A.J.S., ermöglichte Wohlstand und verbindet Menschen bis heute durch Austauschprogramme und Debatten über eine Zukunft Europas. Erasmus sei ein Erfolgsprojekt, darüber waren sich alle Podiumsgäste einig. Wie dieses Modell erweitert werden könnte? Für Beate Meinl-Reisinger ist „Erasmus für Lehrlinge“, ein großes Potential und Chance zugleich, Innovation und Bildung weiter voranzutreiben, um Europa fit zu machen! Es bleibt also spannend!
 
Der Titel „Europa. Fit für die Zukunft?“ ist auch eine Frage an jeden Einzelnen von uns!