Europa. Platz für Kreativität?


 

Kreatives Denken ist in Krisen oder neuen Problemsituationen gefordert. Ungewohnte Situationen lassen sich selten mit gewohnten „Werkzeugen“ meistern. Zugleich sind Kreativität und Innovation entscheidende Faktoren für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Europas in einer globalisierten Welt. Eine neue Europäische Kommission, neue Problemsituationen und viele Herausforderungen: Stichwort Brexit und die Klimaproblematik.  Welche Herausforderungen sollte – ja, muss – Europa annehmen?  Und vor allem: Wie kreativ ist Europa? Wie wirkt sich künstlerisches Schaffen auf die Innovationsfähigkeit aus? Warum umgeben sich Unternehmen gerne mit Kunst und Kultur?

 

 

Zu diesen Fragen veranstaltete European Dialogue am 18. September 2019, um 19:30 Uhr im gemütlichen Ambiente der Promenade ein spannendes kulturelles Highlight. Unter anderem diskutierten Dipl.-Ing. Tanja Prušnik, seit 2019 Präsidentin der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler in Österreichs und Dr. Hannes Swoboda, Abgeordneter zum Europäischen Parlament (1996-2014) und seit 2017 Ehrenmitglied von European Dialogue.

Kreativität ist ein vielverwendeter Begriff. Er steht für Erfolg, Modernität und neue Trends und bringt daher den Reiz des Neuen mit sich. Ob im Zusammenhang mit Menschen, Unternehmen, Städten oder Regionen – Kreativität wird als positive Eigenschaft angesehen und vermittelt ein Bild der Dynamik. Kreative und KünsterInnen sind hier Schlüsselfiguren, da sie Ideen, Metaphern und Botschaften entwickeln, welche zu stärkerer sozialer Vernetzung und vermehrtem Erfahrungsaustausch beitragen. Wenn Kunst Bewegung ins Rollen bringe, dann müsse die Politik zuhören, so Tanja Prušnik. Als Beispiel nannte sie feministische Ansätze, insbesondere die Rolle der Frau als Vorreiterin, sowie das in Österreich bisher größte realisierte Kunstprojekt im öffentlichen Raum im Klagenfurter Wörthersee Stadion: For Forest! Ebenso betonnte Prušnik die Bedeutung der Vielsprachigkeit und die verstärkte essentielle Förderung dieser. Für die Region Steiermark sei der Steirischen Herbst, Europas ältestes interdisziplinäres Festival für zeitgenössische Kunst, ein wichtiger Anstoß und Beitrag.

 

„Kultur ist für mich ein Element einer liberalen weltoffenen Gesellschaft.“ so Dr. Swoboda, der einen spannenden Einblick in die politische Sichtweise der Kreativität in Europa gab.  Es bedeute auch, laut Swoboda, bewusst offener, diskussionsfreudiger und vorbereitet zu sein auf die Welt von heute! Mit der neuen Kommission und deren Zusammensetzung sei er nicht zufrieden. Neben personellen Fehlbesetzungen wünsche er sich mehr Kreativität und einen eigenen Kommissar, der für Vielfalt und Kultur zuständig sei! Er trete für einen „dynamischen Kulturbegriff“ ein, der durch länderübergreifende Einflüsse und Beiträge geprägt sei.

 

 

Für einen spannenden Input sorgte Mag. Stefan Börger, Leiter des Referats für Europa und Außenbeziehungen, in Vertretung für Landesrätin MMag. Eibinger-Miedl. „Nimmt die Europäische Union die Kultur politisch nicht ernst genug?“  Er verwies auf die Entscheidung der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der Kulturpolitik kein eigenes Ressort zu widmen.

 Kultur ist ein wichtiges Element im Lernprozess und hilft dabei Gemeinschaften aufzubauen und zu stärken. Tanja Prušnik appellierte, über die Grenzen zu gehen und die Nachbarn kennenzulernen. Es gilt den Blick zu öffnen! 

 

Dass eine auf Kultur basierende Kreativität Fragen auf Antworten/Herausforderungen zu finden vermag, welche die Politik nicht mehr lösen kann/will, zeigte ein von Tanja Prušnik durchgeführtes Projekt mit Flüchtlingen, das im Parlament in Wien ausgestellt wurde und eine große öffentliche Wahrnehmung erreichte. „Wie kann ich es schaffen, Menschen durch Kunst dazu bringen, etwas zu tun, beizutragen?“ ist laut Prušnik die entscheidende und zugleich wichtige Herausforderung eines kreativen Denkens. 

Für Andreas J. Schröck, der seitens des Teams von European Dialogue am Podium vertreten war, ist die Kreativität die entscheidende Schlüsselkompetenz für zukünftige Herausforderungen. Europa müsse jenes Potenzial nutzen und fördern!  Kultur- und Kreativ(wirtschafts)kapital – eine Fülle an Ideen, KünstlerInnen und kreativen Menschen – gäbe es genug, es gilt jenes Potenzial zu nutzen!

 

 

Im Anschluss an die Veranstaltung wurde Tanja Prušnik „in Würdigung ihres Einsatzes, ihrer Pionierarbeit und Visionskraft auf dem Gebiet Kunst und Kultur sowie der Bewusstseinsbildung in Europa“ die Ehrenmitgliedschaft von European Dialogue feierlich überreicht.